Elternalltag hautnah: Jilane über das Töpfchentraining mit zwei Kindern, kulturelle Einflüsse und die Erfahrungen, die sie dabei gesammelt hat

Töpfchentraining kann von Kind zu Kind ganz unterschiedlich aussehen – selbst innerhalb derselben Familie. In dieser Ausgabe von Elternalltag hautnah sprechen wir mit Jilane aus dem Bambino Mio® Team über das Töpfchentraining mit ihren beiden Söhnen und darüber, wie unterschiedlich ihre Erfahrungen mit jedem Kind waren.
Jilane stammt ursprünglich aus Marokko und erzählt, welche Rolle Kultur, Zeitpunkt und Persönlichkeit bei ihrem Ansatz gespielt haben, was sie beim zweiten Mal gelernt hat und welche Ratschläge sie anderen Eltern mitgeben würde.
Fragen an Jilane
Erzähl uns ein bisschen über dich und deine beiden Jungs.
Ich bin Jilane, eine marokkanische Mama, und ziehe gemeinsam mit meinem Mann unsere zwei wundervollen kleinen Jungs in Großbritannien groß, wo sie auch geboren wurden. Mein Mann hat indische Wurzeln und ist ebenfalls hier geboren. Bei uns zu Hause treffen also viele Kulturen aufeinander, und ich liebe es, dass meine Jungs mit all diesen Einflüssen aufwachsen.
Mein Ältester, Gaby, ist 5 Jahre alt. Er ist sehr schlau und voller Energie, aber auch ziemlich schüchtern. Er beobachtet erst einmal alles, bevor er sich auf etwas einlässt, und hat eine sehr sensible, nachdenkliche Persönlichkeit.
Mein Jüngster, Milan, ist gerade 3 geworden. Mit dem Sprechen hat er etwas später angefangen, aber inzwischen redet er für uns alle mit – haha! Er ist ebenfalls sehr schlau, aber viel kontaktfreudiger und selbstbewusster als sein großer Bruder. Schüchtern ist er überhaupt nicht; er unterhält sich gerne mit jedem.
Beide stecken voller Energie (die haben sie definitiv von mir!).
Wann hast du bei deinem ersten Kind angefangen, über das Töpfchentraining nachzudenken?
Ich habe mit Gabys Töpfchentraining begonnen, als er ungefähr 2 Jahre alt war, kurz nachdem ich erfahren hatte, dass ich mit Milan schwanger war. Ich dachte, es würde wirklich helfen, wenn er vor der Geburt des Babys trocken wäre, weil ich wusste, dass es mit einem Neugeborenen und einem völlig neuen Alltag schwieriger werden könnte, die nötige Zeit und Energie dafür aufzubringen.
Für mich fühlte es sich außerdem nach dem richtigen Alter an. Ich selbst war mit ungefähr eineinhalb Jahren trocken. Ich bin bei meiner Großmutter in Marokko aufgewachsen, und sie hat es bei mir genauso gemacht wie bei all ihren Kindern – und es hat funktioniert. Das hatte ich natürlich im Hinterkopf.
Gaby begann mit ungefähr 24 Monaten mit dem Töpfchentraining. Aber ehrlich gesagt wusste ich nicht wirklich, wo ich anfangen sollte. Ich suchte online nach Ratschlägen, las über verschiedene Ansätze und rief Familienmitglieder an, die mehr Erfahrung hatten. Ich wollte einfach verstehen, wie man anfängt und wie ich es bei meinem Kleinen „richtig“ machen kann.
Wie war diese Erfahrung insgesamt?
Es ging langsam voran, aber am Ende haben wir es geschafft.
Am Anfang hat Gaby komplett verweigert. Er fühlte sich unsicher und hatte große Angst davor. Er wollte weder auf dem Töpfchen sitzen noch überhaupt in seine Nähe kommen. Mir wurde schnell klar, dass er sich mit der ganzen Idee einfach nicht wohlfühlte.
Wir haben versucht, alles positiv und entspannt zu gestalten. Es war Sommer, und manchmal gab es eine kleine Leckerei oder Belohnung, wenn er von sich aus aufs Töpfchen wollte. Es war nicht perfekt und es klappte nicht sofort – es dauerte Monate. Aber ehrlich gesagt haben wir es ganz ruhig angehen lassen. Überhaupt kein Druck. Wir haben einfach immer wieder darüber gesprochen, zwei Töpfchen im Haus stehen lassen, damit sie Teil unseres Alltags wurden, ihn ab und zu erinnert, aber nie etwas überstürzt.
Die „Nackig-Methode“ hat am Anfang ein bisschen geholfen. Sobald er untenherum nichts anhatte, nahm er bewusster wahr, was passierte. Aber es gab viele Missgeschicke. Wirklich viele im ganzen Haus … nur eben nicht immer im Töpfchen, haha!
Irgendwann machte er Pipi ins Töpfchen, aber mit dem großen Geschäft dauerte es deutlich länger. Das kam erst später.
Als sein kleiner Bruder geboren wurde, war er fast vollständig trocken. Dann fingen die Missgeschicke jedoch wieder an. Eine Freundin hatte mich davor gewarnt und mir erzählt, dass ältere Geschwister eifersüchtig sein oder mehr Aufmerksamkeit brauchen können, wenn ein neues Baby kommt. Auch wenn es ein Rückschritt war, hatten wir ein Stück weit damit gerechnet. Ich verstand, dass es emotional bedingt war und nicht nur mit dem Töpfchen zu tun hatte. Deshalb waren Geduld und Unterstützung besonders wichtig.
Insgesamt war es ein ziemlich langsamer Weg, aber am Ende haben wir es geschafft.
Was war beim Töpfchentraining mit deinem zweiten Kind anders?
Milan hat etwas später mit dem Sprechen angefangen, deshalb wollten wir das Töpfchentraining nicht überstürzen. Bevor wir etwas Neues wie das Töpfchentraining einführten, wollten wir sicher sein, dass es ihm gut geht und wir nichts übersehen.
Wir haben das Töpfchen letzten Sommer (Sommer 2025) eingeführt und sind auch jetzt noch dabei. Manchmal geht er gerne aufs Töpfchen und ahmt seinen großen Bruder nach, wenn dieser zur Toilette geht. Ich vergleiche Geschwister ungern, weil jedes Kind sein eigenes Tempo hat. Aber es hilft natürlich, wenn sie positive Gewohnheiten voneinander übernehmen – zum Beispiel Zähneputzen oder den Toilettengang. Wir orientieren uns an seinem eigenen Tempo und unterstützen ihn mit sanften Erinnerungen.
Wir arbeiten außerdem mit einfachen Ermutigungen und Belohnungen: Wir klatschen, geben ihm einen Sticker oder lesen eine zusätzliche Gute-Nacht-Geschichte vor, wenn er das Töpfchen benutzt. Einfach kleine Dinge, die ihn motivieren.
Es läuft nicht genauso wie bei seinem großen Bruder. Interessanterweise gehen aber beide Wege auf unterschiedliche Art langsam voran.
Inzwischen ärgert er sich, wenn er nass ist, und möchte jedes Mal umgezogen werden. Das ist ein tolles Zeichen. Langsam, aber sicher kommen wir also voran.
Vor allem habe ich gelernt, dass Geduld und Unterstützung wirklich das Wichtigste sind.
Bist du das Töpfchentraining beim zweiten Mal anders angegangen? Wenn ja, warum?
Ich habe nicht alles verändert, aber beim zweiten Mal war ich deutlich selbstbewusster.
Bei Gaby habe ich unterwegs gelernt. Bei Milan wusste ich bereits, dass Missgeschicke völlig normal und Teil des Prozesses sind – kein Rückschritt und kein Versagen. Außerdem wusste ich, dass der richtige Zeitpunkt bei jedem Kind anders ist.
Einige Methoden habe ich wieder verwendet, aber dieses Mal war ich entspannter und fühlte weniger Druck. Ich habe gelernt, meine Erwartungen anzupassen, haha! Und ich habe akzeptiert, dass Eltern es nicht „perfekt“ machen müssen, damit es klappt. Natürlich helfen Unterstützung und Konsequenz, aber jedes Kind entwickelt sich anders und hat sein eigenes Tempo.
Wir verwenden die Trainingshosen von Bambino Mio. Sie waren hilfreich, weil Milan trotzdem spürt, wenn er nass ist, und so versteht, was passiert. Gleichzeitig geben sie ihm etwas mehr Sicherheit. Wenn er sich unwohl fühlt, möchte er umgezogen werden, was seine Wahrnehmung unterstützt.
Vor allem habe ich gelernt, dass Geduld und Unterstützung wirklich das Wichtigste sind.
Wie hat dein kultureller Hintergrund deine Sicht auf das Töpfchentraining oder deinen Ansatz beeinflusst?
In Marokko werden Kinder im Allgemeinen früher trocken. Aber selbst in meiner eigenen Familie war es nicht bei allen gleich. Ich selbst war ziemlich früh trocken, mein Bruder und einige meiner Cousins dagegen später. Dadurch habe ich erkannt, dass es selbst innerhalb derselben Kultur nicht das eine „perfekte“ Alter gibt.
Auch wenn ich mit der Vorstellung aufgewachsen bin, dass Kinder früher trocken werden können, wollte ich meine Jungs nie drängen. Ich habe mich immer durch Recherche und Lesen informiert und gelernt, dass es viel wichtiger ist, das Töpfchentraining behutsam einzuführen, als sich ausschließlich auf das Alter zu konzentrieren.
Gleichzeitig versuche ich, sie so zu begleiten, dass sie sich bereit und selbstbewusst für die Schule fühlen, wenn es so weit ist. Das Leben in Großbritannien hat mir außerdem einen stärker kindorientierten Ansatz gezeigt, den ich sehr schätze.
Am Ende habe ich das Gefühl, beide Sichtweisen miteinander verbunden zu haben: Selbstständigkeit fördern und gleichzeitig das individuelle Tempo meines Kindes respektieren.

Was ist deiner Meinung nach bei beiden Kindern gut gelaufen?
Das Beste, was ich gemacht habe, war, meine Erwartungen herunterzuschrauben. Ich habe nie einen Zeitplan festgelegt oder das Ganze als Ziel betrachtet, das wir bis zu einem bestimmten Datum erreichen mussten. Das hat wirklich einen Unterschied gemacht.
Belohnungen und Ermutigung haben ebenfalls sehr geholfen. Dabei ging es nicht immer um materielle Dinge, sondern darum, ihnen zu zeigen, dass ich stolz auf sie bin – selbst bei kleinen Versuchen. Die kleinen Erfolge zu feiern, hat einen großen Unterschied gemacht.
Ich habe außerdem versucht, alles positiv und spielerisch zu halten. Zum Beispiel wollte ich die Toilettenzeit angenehm und positiv gestalten und habe einfache Erklärungen verwendet, die sie verstehen konnten. Dadurch fühlte sich der ganze Prozess weniger stressig und normaler an.
Am wichtigsten war aber: Es gab überhaupt keinen Druck. Missgeschicke gehören dazu. Sie lernen, und wir sind da, um sie zu unterstützen.
Mit Milan sind wir noch mittendrin, und ich bin unglaublich stolz darauf, wie sehr er es versucht und sich Mühe gibt – auch wenn es nur kleine Schritte sind und nicht jeden Tag gleich gut klappt. Auch das ist Fortschritt.
Am wichtigsten war aber: Es gab überhaupt keinen Druck. Missgeschicke gehören dazu. Sie lernen, und wir sind da, um sie zu unterstützen.
Was waren die größten Herausforderungen auf diesem Weg?
Eine der größten Herausforderungen war die Verweigerung – besonders der Wunsch, weiterhin alles in die Windel zu machen, anstatt das Töpfchen zu benutzen. Manchmal fühlte es sich an, als würden wir Fortschritte machen und dann plötzlich wieder einen Schritt zurückgehen.
Manchmal habe ich auch an mir selbst gezweifelt und mich gefragt, ob ich es „richtig“ mache. Aber ich glaube fest daran, dass Kinder unterschiedlich sind und dass das, was bei einem Kind funktioniert, beim nächsten vielleicht nicht klappt.
Trotz aller Höhen und Tiefen habe ich immer daran geglaubt, dass wir es am Ende schaffen werden. Dieser Gedanke hilft an den schwierigeren Tagen wirklich sehr.
Am wichtigsten ist, weiterhin Unterstützung, Ermutigung und Geduld zu geben. Auch kleine Schritte zählen – und mit der Zeit summieren sie sich wirklich.
Gibt es etwas, das du gerne gewusst hättest, bevor du beim ersten Mal angefangen hast?
Ehrlich gesagt gibt es nichts Bestimmtes, von dem ich denke, dass ich es vorher hätte wissen müssen. Durch diese Erfahrung habe ich gelernt, dass es beim Töpfchentraining eigentlich nicht darum geht, wie schnell ein Kind trocken wird.
Für mich ging es vielmehr darum, ihnen zu helfen zu verstehen, was passiert, ihre eigene Wahrnehmung zu entwickeln und sie auf diesem Weg zu unterstützen. Jedes Kind schafft es zu seiner eigenen Zeit. Für mich waren Geduld, Begleitung und Ermutigung viel wichtiger als Schnelligkeit.
Mir hat es sehr geholfen, alles positiv zu halten, Unterstützung und Ermutigung zu geben und den Kindern Möglichkeiten zu bieten, zu lernen und ihre eigene Wahrnehmung zu entwickeln. Ob mit Töpfchen, Toilettensitz oder Trainingshosen: Jedes Kind lernt auf seine eigene Art und in seinem eigenen Tempo.
Versucht, geduldig zu sein und dem Prozess zu vertrauen. Sie werden es schaffen, wenn sie bereit sind.
Was würdest du Eltern sagen, die das Gefühl haben, dass ihr Weg nicht „nach Plan“ läuft?
Ich würde sagen: Versucht, nicht zu streng mit euch selbst zu sein. Töpfchentraining läuft selten genau nach Plan, und das ist völlig normal.
Es wird gute Tage geben, schwierige Tage, Missgeschicke und Momente, in denen es sich anfühlt, als würde sich überhaupt nichts verändern. Das bedeutet nicht, dass euer Kind nichts lernt oder keine Fortschritte macht.
Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Am wichtigsten ist, weiterhin Unterstützung, Ermutigung und Geduld zu geben. Auch kleine Schritte zählen – und mit der Zeit summieren sie sich wirklich.
Und vor allem: Denkt daran, dass ihr nicht allein seid. Viele Eltern erleben dieselben Höhen und Tiefen, und am Ende schaffen es die meisten Kinder, wenn sie bereit sind.










































